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Im Blick behalten! – Abbiegeunfälle aktiv angehen

Im letzten Jahr hatten wir ein historisches Tief bei der Zahl der Verkehrstoten. Allerdings starben mehr Fahrradfahrer als noch ein Jahr zuvor. Jeder achte Mensch, der im Straßenverkehr ums Leben kam, war auf dem Fahrrad unterwegs, bei den Verunglückten war es sogar jeder fünfte. Damit dürfen wir uns nicht abfinden, erst recht nicht bei wachsendem Radverkehr.

Gerade in den Städten zeigt sich das erhöhte Risiko. Dort wird das Fahrrad mehr und mehr als Alternative zum Auto geschätzt. Fahrradfahrer gehören aber wie Fußgänger auch zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern, nur sind sie, bedingt durch die Verkehrsinfrastruktur, oftmals viel direkter mit dem motorisierten Verkehr konfrontiert. Das führt automatisch zu Konflikten, bei denen Radfahrer meistens Gefährdungen ausgesetzt sind.

Sehr gefährlich sind Kreuzungen und Einmündungen und zwar dann, wenn Autos abbiegen, während ein Radfahrer geradeaus weiterfährt. Bei einer Kollision, dem "Abbiegeunfall", geht die Unfallforschung der Versicherer (UDV) davon aus, dass zu 90 Prozent der Autofahrer die Hauptschuld trägt: Der Fahrradfahrer wurde übersehen.

Gründe für eine Sichtbehinderung können parkende Autos oder Pflanzen sein, wenn Fahrräder einen Weg getrennt von der Fahrbahn nutzen. Auch der "Tote Winkel" spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle, gerade wenn ein Lkw beteiligt ist. Und schließlich kann eine ungünstige Verkehrsführung ebenfalls dazu beitragen, dass Fahrräder erst spät oder unerwartet ins Blickfeld gelangen. Viele Abbiegeunfälle können aber schon durch Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme vermieden werden. Oft genug ist es eine Frage des gesunden Menschenverstandes, ob es zu einem Unglück kommt oder nicht, denn das Risikopotential einer Abbiegesituation muss jedem bewusst sein.

Es gibt somit keine Ausreden, wenn nicht geblinkt oder der Schulterblick versäumt wird. Die Seitenspiegel müssen immer optimal eingestellt sein, um den toten Winkel bestmöglich auszugleichen. Auch wenn der Fahrer in kurzer Zeit vieles überschauen muss, sollte er nicht hektisch werden. Ein Blick zu viel ist besser als ein Blick zu wenig! Zusätzliche Kameras zur Überwachung der Fahrzeugperipherie oder gläserne Seitentüren für eine bessere Sicht retten vielleicht Leben. Auch Fahrradfahrer müssen aktiv dazu beitragen, Abbiegeunfälle zu vermeiden. Wer regelwidrig auf dem Gehweg, der linken Fahrbahnseite oder bei Rot über die Kreuzung fährt, macht es den anderen Verkehrsteilnehmern schwerer, adäquat und rechtzeitig zu reagieren. Vor allem aber ist bei der Abbiegesituation Ruhe und Übersicht gefragt. Es ist wichtig, sich zu verständigen, möglichst Sichtkontakt herzustellen und wenn der Radler nicht sicher ist, ob er bemerkt wurde, sollte er nicht auf seinen Vorrang als Geradeausfahrender bestehen, sondern das Auto erst abbiegen lassen.

Beim Abbiegeunfall spielen meistens sowohl die individuellen Bedingungen vor Ort eine Rolle als auch das Verhalten der Beteiligten. Uns allen stellen sich wichtige Fragen: Was kann bei der Verkehrsplanung getan werden? Was können Fahrzeughersteller leisten? Und was kann jeder Verkehrsteilnehmer selbst aktiv tun? Jedenfalls gilt: Wir brauchen ein Zusammenspiel der Akteure, um das Problem anzugehen!