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PEDELECs – Der Sicherheit einen Tritt voraus?

Wer kennt sie nicht, die Fahrradfahrer,die scheinbar mit voller Muskelkraft im Einsatz sind, aber sich dann doch mit der Hilfe von elektrischen Motoren das Treten erleichtern: Das sogenannte Pedelec-Phänomen. Allein in Deutschland sind schon über drei Millionen dieser modernen Elektrofahrräder unterwegs. Dabei zeigt sich, dass gerade ältere Verkehrsteilnehmer das Pedelec nutzen, um ihre individuelle Mobilität zu erhalten oder zu steigern.

Auch am Bundesprogramm "Fit mit dem Fahrrad", das viele Verkehrswachten anbieten, nehmen immer mehr Seniorenmit Pedelecs teil und lassen sich theoretische und praktische Tipps für den sicheren Umgang geben. Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zeigen, dass das Pedelec altersunabhängig Bestandteil einer fortschrittlichen und nachhaltigen Mobilitätskultur sein kann.

Es gab und gibt regelrecht einen kleinen Hype um die batteriebetriebenen Drahtesel. Einer Umfrage zufolge ist heute schon jeder Zweite an einem Fahrrad mit integriertem Elektromotor interessiert (49% / Fahrrad-Monitor 2015, ADFC), ältere Menschen etwas mehr als Jüngere (bspw. 58% der 50-bis 59-Jährigen). Senioren sehen darin eine gute Gelegenheit, ihre Mobilität zu erhalten, obwohl die körperliche Fitness etwas nachlässt, und den Aktionsradius sogar erweitern, denn mit dem Pedelec sind auch größere Entfernungen schnell und komfortabel zu bewältigen.

Doch die Vorteile der Pedelecs sind vielfältig: Die Tretunterstützung konnte zum Beispiel bei Lastenfahrrädern der Idee von alternativen, umweltschonenden Transportlösungen neuen Schwung geben, denn gerade in urbanen Räumen kann eine nachhaltige Mobilität nicht mehr ohne das Fahrrad gedacht werden. Aber auch im Fahrradsport fand der Elektromotor seinen Platz. Auf der größten Fahrradmesse EUROBIKE war im letzten Jahr eine erstaunliche Anzahl an geländetauglichen Pedelecs zusehen und die Mountainbike-Szene nimmt diesen Trend gut an.

Nun hat diese positive Entwicklung leider einen faden Beigeschmack: Das Statistische Bundesamt meldete, dass 2016 die Unfälle mit Pedelecs in Deutschland (Januar bis September) bedenklich zugenommen haben und zwar um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei waren auch mehr Todesopfer zu beklagen. Unmittelbar danach hörte man aber leichte Entwarnung zur Statistik. Sie sei irreleitend in Bezug auf das vermeintlich höhere Unfallrisiko von Pedelecs gegenüber den herkömmlichen Rädern, denn die Zahl der Nutzer ist schlichtweg angestiegen. Damit werden durchschnittlich mehr Kilometer zurückgelegt und faktisch steigt das Unfallrisiko an.

Statistisch mag das richtig sein, aber mir geht es hier nicht um numerische Relationen sondern um das ganz konkrete Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu sein. Das heißt, diese Unfallbilanz sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die fehlende Erfahrung mit der Tretunterstützung mag ein Grund für ein vermeintlich höheres Unfallrisiko sein. Ein Anderer ist die Geschwindigkeit. Zwar liegt sie im Schnitt "nur" 2 km/h höher als bei normalen Rädern, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass sich bei einigen Radlern die individuelle Durchschnittsgeschwindigkeit maßgeblich erhöht. Wer eine Tretunterstützung bis 25 km/h hat und besser beschleunigt, wird tendenziell auch etwas schneller fahren (können) als mit dem gewohnten Fahrrad.

Eine höhere Geschwindigkeit bedeutet aber, dass die Unfall folgenbei einem Zusammenstoß oder Sturz entsprechend schlimmer sind. Auf der anderen Seite kann ein Verkehrsteilnehmer(zum Beispiel Autofahrer) die Geschwindigkeit von herannahenden Pedelecs leicht unterschätzen, denn aus der Ferne unterscheiden sich die Räder nicht von unmotorisierten Modellen. Für Senioren ergeben sich noch weitere Risiken. Mit zunehmendem Alter lässt unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach. Die Teilnahme am Straßenverkehr ist aber gefährlicher, wenn den sensomotorischen Anforderungen nicht mehr entsprochen werden kann. Zudem muss die jeweilige Verkehrssituation angemessen eingeschätzt werden können. Besonders Gefahren sollten rechtzeitig erkannt werden, um schnell und angemessen zu reagieren. Weiterhin sind das Risiko und die Schwere von Verletzungen bei Seniorinnen und Senioren nach einem Unfall sehr viel höher.

Ich rate also Pedelec-Nutzern erstmal vorsichtiger im Umgang mit ihrem Elektro-Rad zu sein und sich schon vor dem Kauf genau über die besonderen Fahreigenschaften zu informieren. Dazu zählt auch, sich über die eigenen Bedürfnisse im Klaren zu sein und sich entsprechend beraten zu lassen. Praktische Fahrradkurse helfen, um mit den Fahreigenschaften vertraut zu werden. Viele Angebote der örtlichen Verkehrswachten widmen sich dem Thema Pedelec. In jedem Fall sollte auf dem Pedelec niemand ohne Fahrradhelm fahren. Aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich daran gewöhnen, dass die motorisierten Fahrräder auf der Straße unterwegs sind. Nicht nur Autofahrer sollten entsprechend aufmerksam sein, auch Fußgänger dürfen die leisen und schnellen Räder nicht unterschätzen, wenn sie zum Beispiel einen Fahrradweg queren. Wenn wir uns rücksichtsvoll und aufmerksam im Straßenverkehr begegnen, können wir Verkehrssicherheit nachhaltig mitgestalten.