Schriftgröße
Header

 

Statistische Betrachtungen zum Unfallgeschehen

Bald werden sie wieder veröffentlicht, die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Unfallgeschehen im Jahr 2016 und deren tödlichen Folgen aufgrund schwerer Unfälle. Alles deutet aber daraufhin, dass die Entwicklung etwa der tödlichen Unfälle nach den Anstiegen in den Jahren 2014 und 2015 im vergangenen Jahr wieder gesunken sind.

Nun rechnet das Statistische Bundesamt auf der Basis der Zahlen von Januar bis September 2016 für das Gesamtjahr 2016 mit einem Rückgang der im Straßenverkehr getöteten Menschen von 5 Prozent. Wobei die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um ca. 1 Prozent auf 308.000 gestiegen sein wird.

Die niedrigen Zahlen im Juni und Juli 2016 erklärt das Statistische Bundesamt mit der schlechten Witterung in diesen Monaten, dadurch waren weniger schwächere Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad oder als Fußgänger unterwegs. Schlechtes Wetter als Lebensretter?

Der ADAC hat aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes kurz vor Weihnachten eine Prognose entwickelt, der zufolge rund 3.280 Menschen auf den Straßen in 2016 weniger starben, das wären sogar 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr und damit „ein neuer historischer Tiefststand seit Beginn der Aufzeichnung der Unfallstatistik im Jahr 1950“.

Seit 1970 sei die Zahl der Unfalltoten stetig gefallen, nicht zuletzt dank immer besserer Sicherheitssysteme. Einen kleinen Knick gab es allerdings Anfang der 90er- Jahre. Auch 2014 und 2015 hatte das Statistische Bundesamt jeweils mehr Verkehrstote gezählt als im Vorjahr – ihre Zahl stieg von 3339 im Jahr 2013 auf zuletzt 3475.

Trotz des Rückganges in Deutschland stellt sich das Problem in Europa wesentlich differenzierter und weltweit katastrophaler. Europaweit starben 2015 wieder mehr Menschen bei Unfällen auf den Straßen. Und dass obwohl die Europäischen Union bis  2020 die Zahl der Verkehrstoten halbieren möchte. Bezugsgrüße ist hierbei das Jahr 2010. Von dem Ziel ist man noch weit entfernt. Denn die Zahl der Verkehrstoten in der EU ist im Jahr 2015 wie gesagt gestiegen – erstmals seit 2001. Demnach kamen in den 28 EU-Ländern insgesamt 26.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, drei Viertel davon sind Männer. Das bedeutet, dass in der EU täglich im Schnitt mehr als 71 Menschen im Straßenverkehr sterben. Zahlen die uns alle nicht kalt lassen dürfen.

Auf eine Million Einwohner kamen 51,5 Verkehrstote in Europa. Gemessen an der Einwohnerzahl, gab es die meisten tödlichen EU-Verkehrsunfälle in Rumänien und Bulgarien (je 94 Verkehrstote pro eine Million Einwohner); die wenigsten in Malta, Schweden und den Niederlanden mit 26 bis 28 Toten je eine Million Einwohner.

Die EU hatte Mitte 2010 eine neue Leitlinien für eine verbesserte Sicherheit im Straßenverkehr beschlossen. Mit einer Reihe von Maßnahmen sollten vor allem schwächereVerkehrsteilnehmer wie Fußgänger  oder Radfahrer besser geschützt werden und dazu u.a. auch die Fahrausbildung der Verkehrsteilnehmer verbessert werden. Vor allem sollen die Verkehrsvorschriften konsequent durchgesetzt werden und eine sichere Infrastruktur im Straßenverkehr verbessert bzw. entwickelt werden. Gerade die Verkehrswege sind im Modal Split der EU-Statistik zufolge differenziert zu betrachten: Die meisten Menschen starben 2015 auf Straßen in ländlichen Gegenden (55 Prozent), also vor allem auf Landstraßen, 38 Prozent im Stadtverkehr und nur sieben Prozent auf Autobahnen. In der EU waren 135.000 Menschen bei Verkehrsunfällen mit schweren Verletzungen konfrontiert. Wie bei den Verkehrstoten waren hiervon Fußgänger, Fahrradfahrer und ältere Menschen besonders betroffen.

Weltweit sieht es noch fataler aus. Jährlich sind mindestens 1,25 Millionen Verkehrstote zu beklagen. Auch wenn die Zahl der Verkehrstoten trotz der Zunahme von Fahrzeugen seit Jahren konstant bleibt, kommen seit 2007 statistisch jährlich 1,25 Millionen Menschen durch Unfälle ums Leben, wiedie Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Bericht schreibt. Es kann aber auch mit statistischen Ungenauigkeiten zusammenhängen, denn die Erhebungsmethoden unterscheiden sich deutlich, ebenso werden aus politischen Gründen die realen Zahlen verheimlicht oder geschönt.

Was aber erkennbar ist, ist eine wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern wie der Vergleich der Statistik der Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner international deutlich zeigt: Im hochmotorisierten Deutschland waren es im Jahr 2013 laut WHO-Bericht 4,3. Im westafrikanischen Liberia waren es hingegen 33,7 – gemessen an der Einwohnerzahl also fast achtmal so viele Todesopfer, obwohl sich dort viel weniger Menschen ein Auto leisten können. Ähnliche Entwicklungen sind in Teilen Südamerikas oder Asiens sichtbar. Die besten Ergebnisse aus den Verkehrssicherheitsanstrengungen sehen wir in Schweden mit 2,4 Verkehrstoten. Es folgen die Schweiz (3,3) und die Niederlande (3,4). Signifikant mehr Unfalltote gab es in Griechenland (9,1) oder Polen (10,3). In China fielen dem Straßenverkehr 2013 statistisch gesehen 18,8 zum Opfer, in den USA waren es 10,6 (immer bezogen auf 100.000 Einwohner).

Aus unserer Sicht als Deutsche Verkehrswacht (DVW) bleibt es bei dem Grundsatz, jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Deswegen haben auch wir uns der Strategie einer Vision Zero verschrieben genauso wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR). Mit 14 ausgewählten Maßnahmen wollen wir diese Strategie im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem DVR und allen Partnern in der Verkehrssicherheitsarbeit weiter zum Erfolg verhelfen. Denn hier gilt: Der Weg ist auch das Ziel.

Vielleicht gelingt es dann doch noch, trotz der Rückschläge in 2014 und 2015, das im letzten Verkehrssicherheitsprogramm von 2011 der Bundesregierung beschlossene Ziel einer Absenkung der Anzahl der Verkehrstoten, um weitere 40 Prozent in dieser Dekade zu erreichen. Es wird schwer und bedarf auch eines besonderen Mutes zu zusätzlichen Maßnahmen. Die DVW ist hierzu bereit.