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Motorradfahren: Reiz mit hohem Risiko

Berlin, 4. März 2016: Freiheit, Individualität, Spaß: Das sind nur einige Schlagworte, mit denen Biker ihre Faszination am Motorradfahren beschreiben. Doch das Fahren mit dem motorisierten Zweirad weist ein hohes Unfallrisiko auf. Können, Erfahrung und passende Ausrüstung sind notwendig. Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) nahmen die nach wie vor alarmierenden Unfallzahlen zum Anlass, im Rahmen eines Parlamentarischen Abends am 25. Februar 2016 in der Landesvertretung Thüringen in Berlin über die Motorradsicherheit zu diskutieren.

Ein Blick in die Unfallstatistik beweist: Motorradfahren ist gefährlich. Jeder sechste im Straßenverkehr tödlich Verunglückte (17,1 Prozent) und fast jeder siebte Schwerverletzte (14,7 Prozent) war im Jahr 2014 ein Motorradfahrer. Insgesamt sind 587 Biker ums Leben gekommen.

Anstieg der Getöteten

 

Prof. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht, beklagte in seiner Begrüßung den erneuten Anstieg der Todesopfer im Straßenverkehr. Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind im vergangenen Jahr 3.475 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das sind 98 Todesopfer mehr als im Vorjahr. „Das ist eine Entwicklung, die uns berührt und Ängste auslöst. Wir müssen diesen Trend umkehren“, sagte Bodewig. Im Sinne der Sicherheitsstrategie Vision Zero müsse auch die Motorradsicherheit im Blick behalten werden. So forderte der DVW-Präsident eine bessere Umsetzung der Hinweise des Merkblattes zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Motorradstrecken (MVMot) in den Bundesländern, da straßenbauliche Maßnahmen und sicherheitsbewusstes Fahrverhalten maßgeblich dazu beitragen können, Unfallrisiken zu senken und Motorradunfälle zu vermeiden.

Besorgt über den bundesweiten Anstieg der getöteten Motorradfahrer zeigte sich auch die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär MdB. Der Motorradverkehr sei von besonderen Risiken geprägt. Sie beschrieb die zahlreichen Projekte und Maßnahmen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), mit denen die Risiken für Motorradfahrer verringert werden sollen.

Zusammenspiel von Mensch, Fahrzeug- und Straßenverkehrstechnik

 

Im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends stand eine Podiumsdiskussion zum Thema. Sie wurde von der Frage dominiert, wie die Zahl der Motorradunfälle verringert werden kann. Hierbei muss ein Gesamtsystem von Faktoren in Betracht gezogen werden: Mensch, Maschine und Straße.

„Motorradfahrer müssen noch stärker für ihre eigenen Risiken sensibilisiert werden“, forderte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Rund 69 Prozent aller tödlichen Motorradunfälle seien von den zumeist männlichen Motorradfahrern selbst verschuldet.

Auch Rolf „Hilton“ Frieling von der Biker Union und der Verkehrspädagoge Wolfgang Stern unterstrichen die Verantwortung der Fahrer: „Niemand möchte einen Unfall verursachen“, betonte Stern. Mangelnde Fahrpraxis und fehlende Beherrschung der Maschine müssen trainiert werden, forderte der Verkehrspädagoge. Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Motorrad, verwies auf ein neues Qualitätssiegel, welches hochwertige Schulungsprogramme und Trainings klar und einfach identifiziere.

Neben dem Verhalten der Fahrer und der technischen Ausstattung der Maschinen spielt auch die Infrastruktur eine wichtige Rolle. Benjamin Schulz von der Unfallkommission Erzgebirgskreis erläuterte den positiven Effekt von baulichen Maßnahmen wie Rüttelstreifen, um unfallträchtige Strecken zu „entschärfen“.

In seinem Schlusswort betonte DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf die Notwendigkeit, die Gruppe der Motorradfahrer besser zu schützen. „Motorrad fahren hat etwas sehr Emotionales und zählt zu den schönsten Arten der Fortbewegung. Aber es ist ein Reiz mit hohem Risiko, für den ein hoher Blutzoll entrichtet wird.“ Mit Blick auf das Unfallgeschehen sei weitere Ursachenforschung notwendig, um daraus Verbesserungen für Mensch, Maschine und Straße abzuleiten.

 




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Die Deutsche Verkehrswacht gehört zu den ältesten und größten Bürgerinitiativen Deutschlands. Seit ihrer Gründung 1924 arbeitet sie für mehr Sicherheit und weniger Unfälle auf unseren Straßen – heute mit mehr als 60.000 ehrenamtlich Engagierten. Sie informieren, beraten und trainieren mit Verkehrsteilnehmern jeden Alters sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Die Zielgruppenprogramme der DVW erreichen rund 2,7 Millionen Menschen pro Jahr. Die DVW finanziert ihre Aktionen und Programme mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoring.