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Deutsche Verkehrswacht: Komplexer Weg zum automatisierten Fahren

Würzburg/Berlin,10. Juni 2017: Die DVW hat sich am 10. Juni auf ihrer Jahreshauptversammlung (JHV) in Würzburg intensiv mit der Einführung automatisierter Fahrzeuge befasst. In ihrem Beschluss dazu heißt es, dass auf lange Sicht mit Vorteilen für die Verkehrssicherheit gerechnet werden kann, der Weg dahin von der DVW kritisch begleitet wird. In den vielen Zwischenschritten können neue Gefahren auftreten, die heute noch nicht hinreichend untersucht sind.

In dem vom Wissenschaftlichen Beirat der DVW unter Beteiligung namhafter Universitätsprofessoren vorgelegten Papier heißt es, dass vor allem in der jetzt anstehenden Phase der Teilautomatisation die Systeme noch regelmäßig an den Fahrer übergeben müssen. Simulatorstudien zeigen aber bereits, dass der Fahrer bis zur vollen Situationskontrolle oft eine deutliche längere Zeit braucht, als das System ihm zugesteht. Die DVW fordert deshalb, dass in allen Automatisierungsstufen die Funktionen zunächst ausführlich getestet werden und die endgültigen Testergebnisse veröffentlicht werden.

Prof. Kurt Bodewig, Präsident der DVW und Bundesminister a.D. fordert in diesem Zusammenhang, dass automatisierte Fahrzeuge mindestens so sicher sein müssten wie ein menschlicher Fahrer. "Die Latte liegt hoch", so Bodewig, "der Mensch verursacht durchschnittlich alle 216 Jahre einen Unfall mit Personenschaden." Er mahnt in diesem Zusammenhang an, dass die internationalen Verhandlungen über die Anforderungen an solche Systeme rasch abgeschlossen werden und die Forschungslage angemessen berücksichtigt wird. "Unsichere Fahrzeuge dürfen keine Typzulassung erhalten", so Bodewig. Die nach den gegenwärtigen Verhandlungen bei der UN/ECE vorgesehenen vier Sekunden bis zur vollständigen Verantwortungsübernahme sind mit deutlichen Risiken verbunden und nicht als sicher zu bezeichnen.

Auch mit dem soeben verabschiedeten Gesetz zu hoch- und vollautomatischen Fahrsystemen zeigt sich die DVW nicht zufrieden. Es ist nach Auffassung der Delegierten ungewöhnlich, dass ein Gesetz sich mit einer Technologie beschäftigt, die noch nicht technisch beschrieben und auch noch nicht im Einsatz sei. Vor allem aber schaffe das Gesetz keine Rechtssicherheit für den Fahrer. Dieser dürfe sich zwar von der Fahraufgabe abwenden, sei aber in verschiedenen Situationen doch verpflichtet einzugreifen, erhalte aber nicht die dazu notwendige Zeit.




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