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Mehr Verkehrssicherheit durch gute Datenqualität bei Unfallaufzeichnungen

Bei der DVW-Jahreshauptversammlung am 10.06.2017 in Würzburg mahnten die Delegierten eine bessere Datenqualität bei Unfallaufzeichnungen an, ohne die eine sinnvolle Unfallforschung nicht zu leisten sei.

Problemstellung

Aus vielfältigen Gründen treten Unfälle im Straßenverkehr auf. Deshalb sind den zuständigen Institutionen Verfahren vorgeschrieben, um Gefahrenstellen im Straßennetz zu erkennen und dort für Verbesserungen zu sorgen. Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Baulastträger bilden dazu Unfallkommissionen, die Unfallaufzeichnungen im Hinblick auf Häufungen und deren Charakteristik auswerten.

Der Grundgedanke bei diesem Vorgehen ist, dass Verkehrsteilnehmer als Menschen nicht fehlerfrei handeln, aber eine örtliche Konzentration von ähnlichen Fehlern auf mitwirkende Umstände hinweisen, die bestimmte Unfälle relativ oft auftreten lassen. Diese Verfahren sind international üblich und werden in nationalem und europäischem Recht verbindlich beschrieben.

Der Erfolg dieses Verfahrens ist abhängig von der Aussagefähigkeit der zugrundeliegenden Unfalldaten. Dabei ausschlaggebend sind vor allem die Angaben zur Lokalisierung und zu den Unfallumständen. Diese Angaben werden bei der Unfallaufnahme durch Polizeibeamte vor Ort erhoben und anschließend gemäß den Anforderungen der amtlichen Statistik (nach dem Verkehrsunfallstatistikgesetz) systematisch zusammengestellt. Diese Daten stehen in anonymisierter Form den Unfallkommissionen zur Verfügung.

Allerdings wird durch die Polizei oft aufgrund ungeeigneter Verfahren (Stationierungszeichen an Landstraßen, Adresse oder Beschreibung einer Besonderheit wie Kurve am Waldrand) die genaue Unfallstelle nicht eindeutig beschrieben. Zeitdruck durch fehlendes Personal führt gelegentlich dazu, dass notwendige Angaben zu Unfällen unzureichend oder gar nicht aufgenommen werden. Generell werden nicht alle Unfälle von Polizeibeamten aufgenommen und bestimmte Unfälle, z.B. mit Radfahrerbeteiligung, sind nur sehr unvollständig durch die Polizei erfasst (Dunkelziffer-Problematik).

Typische unzureichende Angaben betreffen Unfallursachen, Charakteristik der Unfallstelle oder die Straßen-/Witterungsumstände. In der Fachwelt bekannt ist z.B. die überhäufige Verwendung der Unfallursache „sonstige Fehler“ oder „nicht angepasste Geschwindigkeit“ statt differenzierter Angaben, die der Katalog von mehr als 100 möglichen Ursachen erlaubt.

Auch Angaben zu Eigenschaften der Örtlichkeit werden nur sehr unvollständig ausgefüllt, wie sich bei Auswertung z.B. von Unfällen an Fußgängerüberwegen oder an Haltestellen von Bus und Bahn gezeigt hat. Nur etwa jeder fünfte Unfall im Bereich solcher Stellen wird zutreffend mit diesem Merkmal versehen.

Stand der Wissenschaft

Man muss davon ausgehen, dass Auswertungen auf Basis der amtlichen Statistik die Gefahren an besonderen Stellen im Straßennetz nicht zutreffend beschreiben. Es ist festzuhalten, dass die Anzahl und Lage von Unfallhäufungen nicht vollständig bekannt sind, was die Wirksamkeit der Unfallkommissionarbeit einschränkt. Außerdem sind die Angaben bei den aufgezeichneten Unfalldaten unzureichend, so dass sicherheitsrelevante Informationen vor allem zu städtischen Gefahren für Fußgänger und Radfahrer fehlen.

Aussagefähig sind Besonderheiten erst, wenn eine ausreichend große Zahl von Fällen an auffälligen Stellen zur Auswertung zur Verfügung steht. Örtliche Häufungen werden nur dann zuverlässig erkannt, wenn die Angaben zum Unfallort bei jedem Unfall zutreffend und in gleicher Weise beschrieben werden. Eine Festlegung mithilfe einer Karte ist dagegen zuverlässig und lässt sich bei Verwendung von geografischen Informationssystemen einfach und fehlerfrei durchführen und sollte bundesweit einheitlich verwendet werden.

Beschlussfassung

Es wird beschlossen, den zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung folgendes zu empfehlen:

  • Aussagekräftige und zutreffende Daten sind eine unverzichtbare Grundlage für die Erforschung von Verkehrsunfallursachen generell sowie konkret für die Unfallkommissionen, in Bezug auf die Erkennung von Unfallhäufungen. Fehlerhafte Daten führen zu falschen Ergebnissen in der Forschung und zu falschen Maßnahmen an Unfallhäufungsstellen.
  • Eine vollständige Aufnahme von Unfalldaten dient so der Verkehrssicherheit und ist eine wichtige Aufgabe der Polizei. Diese Aufgabe muss deshalb in der Ausbildung angemessen berücksichtigt werden. Die Polizeiführung muss auf eine gewissenhafte Durchführung vor Ort dringen.
  • Umfang und Qualität der Daten kann durch die Verwendung von zeitgemäßer Technik in Form von softwaregestützter Datenaufnahme wesentlich verbessert werden. Dazu bedarf es der umfassenden Ausstattung von Polizeifahrzeugen sowie der Schulung der zuständigen Polizeibeamten in dieser Technik.

Würzburg, 10.06.2017