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Motorradsicherheit

Die Deutsche Verkehrswacht hat auf ihrer Jahreshauptversammlung 2011 einen Ausbau der Motorradsicherheit gefordert. Die Straßenverkehrssicherheit soll für Motorradfahrer verbessert werden. Bis spätestens 2015 sollen in Deutschland alle Motorräder ab 125ccm verpflichtend mit ABS ausgestattet werden.

Beschluss der Jahreshauptversammlung 2011 der Deutschen Verkehrswacht e.V.

Motorradsicherheit

Motorrad-Sicherheit

Im Jahr 2008 starben in der Europäischen Union 5.520 Motorradfahrer. Dies entspricht 14 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten. In Deutschland wurden im selben Jahr 656 tödlich verunglückte Motorradfahrer gezählt. Im Vergleich zu den 90er Jahren haben sich diese europäischen Zahlen für Motorradfahrer kaum verändert, während sich die Zahl der getöteten Autofahrer im selben Zeitraum deutlich reduzierte. Dem Europäischen Verkehrssicherheitsrat ETSC (European Transport Safety Council) zufolge wäre die Gefahr, mit einem Motorrad tödlich zu verunglücken, in Europa bei gleicher zurückgelegter Fahrdistanz 18-mal größer als beim Autofahren.

Vor diesem Hintergrund muss Motorradfahren noch stärker in den Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit rücken. Seitens der Industrie sind bei Motorrädern in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte etwa in der Reifentechnik, der Leistung der Bremssysteme, der Fahrwerktechnik, der Beleuchtung und der Bekleidung erreicht worden. Solche neuen Technologien und Sicherheitssysteme müssen noch schneller eine breite Marktdurchdringung erreichen und die Straßeninfrastruktur muss stärker an die Bedürfnisse der Motorrad-Sicherheit angepasst werden. Insbesondere aber müssen die Fahrer noch besser geschult und für die speziellen Risiken des Motorrad-Verkehrs sensibilisiert werden

Forderungen

Motorrad-ABS:

Ein Antiblockiersystem ist das effektivste Sicherheitssystem für Motorräder nach dem Tragen des Helms. ABS verhindert ein Blockieren der Räder beim Bremsen, wodurch sich der Bremsweg wesentlich verkürzt und das Fahrzeug auch bei starkem Bremseingriff stabil bleibt. Eine im Jahr 2009 für die Europäische Kommission durchgeführte Nutzenanalyse hat errechnet, dass durch vollständige Ausstattung aller Motorräder über 125ccm mit ABS die Zahl der getöteten Motorradfahrer in den folgenden 10 Jahren um über 5.000 reduziert werden kann. Eine im Oktober 2009 präsentierte Studie der schwedischen Straßenbehörde Vägverket kam zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent aller Motorradunfälle mit Personenschaden und 48 Prozent aller schweren und tödlichen Unfälle mit ABS verhindert werden könnten.

Die DVW unterstützt deswegen den Vorschlag der EU-Kommission, die Ausstattung mit ABS verpflichtend zu regeln. Abweichend von diesem Vorschlag jedoch sollte das Startdatum der Verpflichtung für alle neuen Fahrzeuge spätestens 2015 sein und die Regelung für mindestens alle Motorräder ab einschließlich 125ccm gelten.

eCall:

Der elektronische Notruf eCall verständigt im Falle eines schweren Unfalls automatisch die Rettungsdienste. Dadurch wird lebensgefährdender Zeitverlust beim Benachrichtigen der Notfallhelfer verhindert, wenn das Unfallopfer nicht mehr in der Lage ist, einen Notruf abzugeben, und andere Verkehrsteilnehmer den Unfall nicht sofort wahrnehmen. Dies ist insbesondere der Fall auf wenig befahrenen Strecken, bei Nachtzeiten oder wenn der Unfallort schlecht einzusehen ist. Die EU-Kommission erarbeitet derzeit im Dialog mit der Automobilindustrie und den Mitgliedsstaaten einen Gesetzesvorschlag, der eine flächendeckende Einführung von eCall für Pkw vorsieht. Aufgrund der Verletzungen bei Motorrad-Unfällen und der tendenziell schwereren Wahrnehmbarkeit etwa bei Unfällen auf weniger befahrenen Landstraßen sollte die Einführung von eCall auch für Motorräder geprüft werden.

Infrastruktur:

Auch der Straßeninfrastruktur kommt Bedeutung bei der Verhinderung von Motorradunfällen und der Minderung von Unfallfolgen zu. Schlecht einzusehende Einfahrten und Kurven stellen ebenso Problempunkte dar wie die Gestaltung von Fahrbahnbegrenzungen und –bebau. Jedes massive Hindernis am Straßenrand stellt eine mögliche Gefahr für schwerste oder gar tödliche Verletzungen beim Anprall dar. Eines der größten Risiken geht dabei von den Halterungen der Leitplanken aus, was durch deren Ausstattung mit einem Unterfahrschutz und ähnlichen Lösungen entschärft werden kann.

Die DVW fordert deshalb eine detaillierte Untersuchung der Straßeninfrastruktur unter dem Aspekt der Motorradsicherheit. Gefahrstellen sollten sämtlich mit Leitplanken mit Unterfahrschutz entschärft werden.

Fahrerverhalten:

Bei aller Weiterentwicklung des technischen Fahrumfelds bleibt der Endnutzer der Schlüssel für sichere Mobilität. Schulung und Aufklärung zu kompetentem und bewusstem Fahrverhalten sind aus diesem Grund unverzichtbar und müssen flächendeckend angeboten werden, insbesondere für Neulinge im Straßenverkehr. Die DVW leistet hier ihren Beitrag unter anderem mit dem vom BMVBS geförderten Programm „Aktion junge Fahrer“, in dem bundesweit Verkehrsneulingen eine sichere Fahrweise und beispielsweise die Gefahren von Alkohol und Übermüdung nahe gebracht und von diesen erlebt werden können.

Die DVW und ihre Mitglieder werden ihre Aufklärungs- und Schulungsarbeit engagiert weiterführen und ihre Programme nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterentwickeln.