Fachtagung 2014

Die Fachtagung findet traditionell am Vortag der Delegiertenversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht in der Regel ein aktuelles Thema rund um die Verkehrssicherheit. Mehr als hundert Teilnehmer verfolgen die Beiträge von Fachexperten und diskutieren anschließend mit den Referenten.

Fachtagung am 23.05.2014

Heute schon an morgen denken:
Herausforderungen für die Verkehrssicherheitsarbeit der Zukunft

In den kommenden Jahrzehnten wird unsere Gesellschaft immer älter, gleichzeitig sinkt die Einwohnerzahl. Dies wird auch Veränderungen bei der individuellen Mobilität und dem Straßenverkehr hervorrufen. Auf der diesjährigen Fachtagung diskutierten wir mit Experten, welche Veränderungen zu erwarten sind und was schon heute getan werden kann, damit wir in Zukunft sicher mobil bleiben.

DVW: 90 Jahre erfolgreicher Einsatz für mehr Verkehrssicherheit. Damit es auch künftig so bleibt, diskutierten die Referenten über die Herausforderungen für eine sichere Mobilität 2030: Prof. Dr. Zimmermeyer, Prof. Dr. Fastenmeier, Prof. Dr. Rudinger, Dr.-Ing. Boenke, Prof. Dr. Vollrath, Moderator Roman Mölling (v.l.) ©DVW | Fotografin: Heidi Scherm

In seinem Impulsreferat „Mobilität 2030 - Fakten, Entwicklungen, Perspektiven“ stellte Prof. Dr. Georg Rudinger, Zentrum für Alternskulturen, zwei mögliche Szenarien zur Mobilität 2030 vor: Im Szenario „Kontinuität“ wird mit der Fortschreibung der bestehenden Situation mit geringer Veränderungstendenz gerechnet. Bei dieser „technokratischen“ Verkehrsplanung ohne Nutzerpartizipation werden punktuelle Verbesserungen erwartet, die aber das Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen der Älteren und den Möglichkeiten individueller Mobilität nicht beseitigen würden. Ein positiveres Bild der Mobilität im Jahr 2030 bietet das Szenario „Innovation“, bei dem innovative Veränderungen mit Jüngeren als aktiven Trendsettern erwartet werden. 

Zur Frage der „Herausforderungen an eine verhaltensorientierte Verkehrssicherheitsarbeit“ wies Prof. Dr. Wolfgang Fastenmeier, Psychologische Hochschule Berlin, darauf hin, dass menschliches Verhalten im Verkehr nur im Rahmen eines Systems, dessen wesentlichste Komponenten die Verkehrsteilnehmer, die Verkehrsmittel sowie die Verkehrsumgebung sind, analysiert werden könne. Entsprechend müssten alle Systemkomponenten berücksichtigt werden, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. In dem Maße, in dem nach Nutzen und Effektivität des Gesamtsystems sowie für alle daran beteiligten Gruppen gefragt wird, seien zusätzlich zu Sicherheits- und Leistungsfähigkeitsaspekten auch andere Gesichtspunkte wie Mobilität, Umwelt, Lebensqualität, Komfort zu berücksichtigen. Dabei sei „Sicherheit“ die Klammer, unter der sich die anderen Gesichtspunkte subsummieren lassen.

Zu den Systemkomponenten gehören auch die „Straßenräume für Morgen – Herausforderungen bei der Gestaltung“, zu denen Dr.-Ing. Dirk Boenke, STUVA e.V., referierte. Nutzbare Straßenräume zu planen verpflichte nachhaltig zu planen. Gefragt sei daher kein sektoraler Blick einer „auto-“, „kinder-“, „frauen-“ oder „altengerechten“ Stadt, sondern die Anwendung des Prinzips „Design für Alle“. Das bedeutet im Kern, barrierefrei für alle Verkehrsteilnehmer und unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel zu planen und zu bauen. Allerdings werde die Gestaltung der „Straßenräumen von Morgen“ vor allem durch die Fähigkeiten der „schwächeren Verkehrsteilnehmer“, zu denen Kinder, ältere Menschen und generell mobilitätseingeschränkte Menschen zählen, bestimmt.

Einen Blick auf das Potential von Fahrerassistenzsystemen (FAS) warf Prof. Dr. Mark Vollrath, TU Braunschweig, mit der Frage „Entlastung durch Assistenzsysteme – zu viel des Guten?“. Viele menschliche Fahrfehler könnten bereits heute durch technische Systeme, die zusätzliche Informationen liefern, wenn nötig warnen oder sogar autonom eingreifen, vermieden werden. Studien zu FAS zeigten jedoch regelhaft, dass die Akzeptanz durch den Fahrer umso geringer wird, je wirkungsvoller die Systeme sind und je mehr sie das Fahrverhalten verändern. Letztlich sollten FAS eingesetzt werden für die Fehlervermeidung, denn sie erhöhen die Sicherheit (verbesserte Wahrnehmung, Notbremsungen, sicheres Verhalten) und können helfen, Unfälle zu vermeiden. Hingegen sollte der Fahrer durch die Systeme nicht entlastet werden, da seine Vigilanz dann sinken würde.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahm auch DVW-Vizepräsident Prof. Dr. Gunter Zimmermeyer teil.Er betonte den Sicherheitsgewinn durch Fahrerassistenzsysteme und führte am Beispiel von ESP aus, wie unterstützende Systeme wirken können, ohne in den Fahrerwillen einzugreifen. Ziel müsse sein, solche Systeme schneller im Markt zu verbreiten.

Moderiert wurde die Fachtagung von Roman Mölling.